Silentium Amoris

Wie oft der Sonne strahlend Morgenlicht
Den Mond ermattet und in Schatten treibt,
Bevor er noch ein einzig Lustgedicht
Der Nachtigall für sich gewonnen hat,
So macht dein Glanz mir meine Lippen matt,
Dass meinem liebsten Lied nichts Süßes bleibt.

Und kommt durch flaches Feld im Dämmerlicht
Auf Sturmesflügeln wild ein Wind daher,
Geschieht es, dass sein derber Kuss zerbricht
Den Halm, der seine einzige Harfe war;
So bringt auch mir mein eigner Sturm Gefahr,
Und übermäßige Liebe singt nicht mehr.

Doch hast du wohl in meinem Blick gesehn,
Warum mir Lied und Laute schweigen muss;
Sonst sollten besser scheiden wir und gehn,
Zu Lippen du, voll süßrer Harmonien,
Und ich, ein arm Gedenken grosszuziehn
An stummes Lied und ungeküssten Kuss.