Serenade

Der Wind weht sanft und kühl aus West
Wohl über das Ägäische Meer,
Er ruft, er ruft zu süßem Fest
Dich, schöne Herrin, zu mir her.
Mein tyrisch Boot es wartet schon
Am Marmorsteig, kein Wächter wacht,
O lass des Bettes Lilienthron
Und komm herab in stumme Nacht!

Sie kommt nicht, o ich kenne sie:
Sie achtet Liebesschwur für List!
Was soll ich tun mit einer, die
So lieblich und so grausam ist,
Die Spiel mit wahrer Liebe trieb
Und spottet des Verliebten Pein?
Ich hab dich wie ein Knabe lieb
Und alles soll vergebens sein?

Ach, lieber Schiffer, sprich und schau:
Ist das ihr Haar, das golden rinnt?
Und nicht nur Sommerfadentau,
Der Passifloren dort umspinnt?
Ach sag mir, Guter, ohne Trug:
Ist das der Herrin Lilienhand?
Und glänzt nicht nur des Schiffes Bug?
Und ist's nicht nur der Silbersand?

O nein, es ist nicht Sommertau,
O nein, es ist nicht Silbersand!
Ist wirklich die herzliebe Frau
Mit goldnem Haar und Lilienhand!
Nun rudre eilig, mein Pilot,
Und halte gut auf Troja hin,
Vom Griechenstrand entführt mein Boot
Der Lust, des Lebens Königin!

Der Himmel wird schon blasser blau,
In einer Stunde ist es licht!
An Bord, an Bord, vielliebe Frau!
Geliebte Herrin, zögre nicht!
Nun rudre eilig, mein Pilot,
Und halte gut auf Troja hin!
Wie je ein Knabe Liebe bot,
Lieb ich dich ewig, Königin!