Die Klage um Itys

Heil'ger als Rom ist Englands Themse hier,
Wo Glockenblumen, wie ein Meergebrande
Mit weißen Anemonen, Wiesenspier
Gleich Schaum der Wellen, rings die wald'gen Lande
Blau überfluten; offenkundiger
Als in der bleichen Mönche Goldmonstranz ist hier der Herr.

Sieh, dort die glänzend veilchenblauen Falter
Unter der weißen Lilien Zeltbrokat
Sind Monsignores, und ein würd'ger alter
Bischof in partibus im Messornat
Der Hecht, der halbgeschlossner Augen träg
Im Schilf sich sonnt! Und sieh den grün und goldnen Treppenweg!

Der Wind, des Walds Gefangner, ohne Rasten,
Ist wohl ein Palästrina, ja, du meinst,
Die Hand des großen Meisters spielt die Tasten jener Marienorgel so wie einst,
Wenn früh am blauen Ostertag daher
Zu dem Balkone überm Erztor und dem Menschenmeer

Der Piazza, wo Springbrunnen ihre Schlünde
Zu Silberjubelstrahlen aufgetan,
In hoher Sänfte, rot wie Blut und Sünde,
Der Papst kam aus dem dunklen Vatikan
Und ost- und westwärts hob die schwache Hand
Zum Frieden, wo Volk gegen Volk aufsteht, Land gegen Land.

Ob das orangene Rot nicht schöner ist,
Das trotz des Mondes nachglüht überm Tal,
Als Rom in Festpracht? Fremd, vor Jahresfrist
Kniet' ich vor einem roten Kardinal,
Der übern Esquilin die Hostie trug,
Doch jetzt - den schlichten Mohn dort nenn' ich doppelt schön mit Fug.

Und das blaugrüne Bohnenfeld, noch zitternd
Vom letzten Schauer, haucht die Luft fürwahr
Voll süßrer Düfte, als, in Goldschein flitternd,
Der jungen Diakonen Incensar,
Öffnet des greisen Priesters Hand den Schrein
Und wandelt in den Leib des Herrn gemeines Brot und Wein.

Ja, Fra Giovanni käm' im schönsten Psalme
Ins Schwanken vor des braunen Vögleins Ton
Zuhäupten mir und durch die kühlen Halme
Seh' ich die Brust, die ich vernommen schon
Im sternbeglänzten, blumenstern'gen Land
Arkadiens und an Salamis' sandweißem Dünenstrand.

Süß ist der Schwalben Zwitschern von der Traufe
Früh, wenn der Mäher seine Sense wetzt,
Und die Holztaube gurrt und an der Raufe
Die Rinder muhen, wie mit Trällern jetzt
Die muntre Melkmagd in der Tür auftaucht
Und jedes breite Kuhmaul triefend ihr entgegenhaucht.

Und süß in Kent das junge Hopfengrün
Und süß der Wind, der frisches Heu zerträgt,
Und süß die Bienen, wenn die Linden blühn
Und summend der geschäftige Schwarm sich regt,
Die Färse, die im Stall brüllt, saftgesprengt
Die grüne Feige, die an roter Ziegelmauer hängt,

Und süß des Kuckucks Ruf dem Lenz zum Spott,
Säumt noch am Quell das letzte Veilchen fahl,
Und süß, wenn Daphnis von dem Sonnengott
Und Linos singt in einem sonnigen Tal
Arkadiens, wo das Korn hochgolden steht
Und um den Hürdenzaun der Tanz der schlanken Schnitter geht.

Süß, mit der lieblichen Lykoris traut
In einer Schlucht Illyriens fern zu ruhn
Und, hingestreckt auf bitterliches Kraut,
Den sommerschönen Tag nichts anders tun,
Als scherzend prüfen, wer im Rohrspiel siegt,
Weil wühlend tief, tief unter uns des Meeres Purpur liegt.

Doch süßer weit, wenn Nunehams grüne Au'n
Silbersandal'gen Fußes, lang vertrieben,
Wieder ein Gott beträte, wenn ein Faun
Dort bei den Sumpfschwertlilien, mit der lieben
Syrinx am Mund, sein Haupt erheben sollt',
Hier der himmlische Hirt weißvließ'ge Herden weiden wollt.

So sing mir, kundiger Sänger, wenn's auch ist
Dein eigen Requiem, was du mir sangst,
Erzähl' die Märe mir, o Leidchronist,
Deiner Tragödien! Und, ob dir auch längst
Nicht mehr vertraut, verachte nicht dies Land,
Denn manchen holden Kranz beut unser nordischer Inselstrand

Den keine griechische Flur kennt, manche Rose
Die taglang wohl umsonst der Jüngling in
Äoliens Tälern suchte, rankt hier lose
Um Hecken wie die üpp'ge Buhlerin
Schönheit verschwendend, Lilien, wie sie nie
Ilissus spiegelte, besternen unsre Ströme, sieh!

Im grünen Weizen blinken blaue Raden,
Die, ob des Schwalbenheimflugs Zeichen auch,
Nie blühten an den attischen Weinbergfaden;
Selbst jenes Unkrautes kleiner roter Strauch,
Der dem Rotkehlchen Lieder gibt, ihr träft
Mit Staunen in Arkadien ihn, und ungesungen schläft

Am windigen Themsestrand im Riedgeraune
So manche Elegie, wie süßer je
Kein Lied der Syrinx war, und dort die braune,
Mit Bienen ganz besetzte Orchidee
Wär für Kytherens Stirn ein Diadem,
Ihr selbst noch unbekannt; und zart erblühn in hellem Creme

Dort, wo die Farre weidet, Asphodille,
Von Schmetterlingen schon erspäht von fern,
Füllt ihren Kelch die Sommerabendstille
Auch doppelt schon mit Tau, bevor der Stern
Den müden Schäfer zu der Hürde lenkt,
Und ist verschwendrisch nicht; mit Gold ist jedes Blatt gesprenkt.

Als hätte Danaes, der stolzen, Kuss
Die zitternden berührt, vom goldnen Arm
Des Gottes heiß, oder Merkurius,
Tief fliegend vor dem düstren Schattenschwarm,
An sie gestreift mit seiner Flügel Saum!
Der zarte Stiel ist stärker als der Sommerfaden kaum

Oder das Silber, das Arachne spinnt,
Und kann die Last doch ihrer Sonnen tragen,
Es heißt, dass sie dem Grab entsprossen sind,
Eines, dem oft mein Lied galt, doch sie sagen
Mir von noch göttlicheren Mythen, von
Nymphenbesuchten Meeren, faungeliebtem Helikon,

Von einem Tal im Tempe, ganz sein eigen,
Wo stets Narzissus an dem klaren Fluss,
Waldwirrnis in den Locken, Waldlandschweigen
In seinem Blick, das Bild beklagen muss,
Das, kaum dass er es küsste, schon zerriss
Im Spiegelgrund der Flut, und jene Mär von Salmacis,

Nicht Knabe und nicht Mädchen und doch beides.
Genährt von zweien Feuern und doch nie
Ersättigt, weil des einen Wonne Leides
Dem andern bringt, dem keine Luft gedieh,
Und so die Liebe stirbt, und Mären dann
Von Oreaden, die vorlugen aus mondlichtem Tann,

Von Ariadne, die am Uferhang
Von Naxos das treulose Schiff in Hast
Entfliehen sah und den roten Schleier schwang
Und Theseus noch, den falschen, rief, da fast
Bakchos auf bernsteingelbem Leopard
Schon bei ihr war; die Märe, die dem Mäoniden ward,

Des blinde Augen Trojas Wälle schauten,
Und Helena in dem geschnitzten Raum
Mit dem rotmünd'gen Knaben, dem vertrauten,
Der zarter Hand glattstrich den Helmbuschflaum,
Und fern die Männerschlacht, Gejauchz und Schreien,
Wie Hektors Schild den Speer abschlug und Ajax warf den Stein;

Von Perseus, der, beflügelt, mit dem Schwert
Die Schlangenlocken abschnitt der Gorgone,
Und all die Mären, deren ew'ger Wert,
Reichtum, wie keine Spanische Gallione
Ihn je aus Indien brachte, Stück für Stück
In kleinen griechischen Urnen ruht! ja, sie bring uns zurück,

Denn ich weiß wohl, der Tod nicht bannt, nur Schlaf
Die alten Götter der hellen'schen Mythen,
Und sie erwachen, wenn dein Ruf sie traf,
Und denken: ja, dies sind Thessaliens Blüten,
Die Themse Daulis'Strom, der kühle Hang
Die irisgelbe Flur, wo Itys lachend spielt und sprang.

Warst du's, jasmingewiegter Vogel, trauter, -
Der von der laub'gen Stille deines Throns
Dem Wunderknaben sang, bis laut und lauter
Ihm Atalantas Horn scholl süßen Tons
Auf Cumnors Flügeln und er, sprudelnd hell,
In Bagleys Wäldern abends fand den attischen Dichterquell;

O schlanker grauer Anwalt, der vom Stuhle
Den Mond gegen den Tag verteidigt, ja,
Warst du's, der jenen Hirten seine Buhle
Selig ließ suchen, da Proserpina
Vergaß, dass sie, statt in sizil'schem Land,
An Sandforts moos'gem Zaun in staunender Entzückung stand;

Waldwunder du, leichtschwingig, augenklar!
Hast du getröstet je mit Melodie
Einen der Brüderschaft, der kleinen Schar,
Die mehr Toskanas Morgenstern als sie,
Die volle Sonne Raffaels geliebt,
Unsterblich nun, sing mir! der minder nicht den Preis dir gibt,

O sing, ja sing! lass wiederjung die Welt,
Die Elemente wieder leibhaft werden
Und Schönheit wieder ziehn durch Flur und Feld
In einstiger Gestalt, wie, da auf Erden
Apoll mit seiner Weidenrute Hieb,
Der Junge Gott, zottige Ziegen, sanfte Lämmer trieb!

O sing! ja sing! und Bacchus sitzt in Glanz
Hier auf dem stolzen Inderthron, der Sieger,
Und unterm Stab mit gelbem Efeukranz
Und harz'gem Zapfen winseln seine Tiger,
Indes die Bassaride toll und heiß
Den Löwen bei der Mähne wirft, einfängt die Felsengeiß.

Sing! und vom Pantherfell umgürtet, nehm' ich
Astaroths Mondesschwingen mir zum Flug
Und wohl in ihrem eis'gen Wogen käm' ich
In einer Stunde zum Kythäronzug,
Eh noch die Rufe überschäumt, der Faun
Im Treten einhält! ja, eh schwanken Lichts das Morgengraun

Die schreiende Eule heimscheucht in ihr Nest,
Die Fledermäuse ihre Flügel falten,
Stiehlt, jung, von Wein umschlungen wie zum Fest,
Die Mänas ihre Bucheckern den alten
Schlafenden Panen und so sacht, dass auch
Die nistende Drossel nicht erwacht; vorbei an Busch und Strauch,

Wo dicht der Tau liegt, durch das grüne Tal
Tollt sie dann lachend und erzählt den Schwank,
Bis dass der braunen Satyrn muntre Zahl
Das Blutkraut niedertritt den Strand entlang;
Dem hörn'gen Meister bringen sie den Zoll,
Flechtkörbe von Erdbeeren und bereiften Pflaumen voll.

Sing! und, das Antlitz müd von Leidenschaft,
Tritt Phöbus' Liebling bald aus kühlem Grün
Den Eberjagt der Tyrerfürst in Kraft
Am Hang, wo die Kastanienbüsche blühn,
Und gliederweiß, grauäugig, auf der Pirsch
Folgt dort die Jungfrau stolzen Blicks dem sammetfell'gen Hirsch.

Sing! und der Knabe sieht im Sterben hier
Von seinem Blut den Kelch der Blume rot,
Die mehr gilt als der Hyazinth, und mir
Erzählt die Kyprische all ihre Not
Und Mund und strömend Aug küss' ich ihr leis
Und führ sie hin, wo ich im Myrtenhain Adonis weiß.

Klag' Iaut um Itys! Der Erinnerung Hand
Träuft mir, Milchschwester sie der Reu und Qual,
Gift in das Ohr - o frei zu sein! Verbrannt
Die alten Schiffe! ausziehn noch einmal
In die weißkämm'ge Flut zur Züchtung
Proteus' für der korallenblühenden Grotten Plünderung!

O Kolchis mit dem Schrein, dem wunderreichen!
Und, oh! Medea mit dem mohn'gen Trank!
O nur ein Blatt des Asphodills, des bleichen,
Der Proserpinens müde Stirn umschlang,
Abends so eigen tauend, dass sie träumt
Von Ennas Fluren, ferne vom sizil'schen Meer umschäumt,

Wo oft die goldgürt'Iige Biene jagend
Von Lilie sie zu Lilie fliegen ließ,
Eh sie der düstre Gott, Rückkehr versagend,
Die tödliche Granatfrucht kosten hieß,
Ehe der schwarzen Rosse wilder Zug
Zum blass blumlosen Land, zum krank sonnlosen Tag sie trug.

O zum Gespiel für eine Mitternacht
Die Venus aus dem melischen Ackergrunde!
Eine antike Statue, mir erwacht
Zum brünstgen Feuer nur für eine Stunde!
Die Eos von Florenz, oh, wer in Lust
Den mächtigen Leib umschlänge, läg auf dieser Riesenbrust!

O sing! ja sing! und ganz berauscht indessen
Vom Leben, meiner Jugend frischem Most,
Ist der ermüdend wüste Kampf vergessen,
Der Wahrheit Gorgoblick, des Abgrunds Frost,
Gebetlos Wachen, Schrei nach Gottinbrunst,
Verlorne Gaben, flehende Arme, dumpfer Taumeldunst!

O sing, ja sing! beschwingte Niobe,
Du machst den Kummer schön und Freude leicht
Ihr süßes Lied dir, wenn der Mensch sein Weh
Zu heilen sucht in stummer Heimlichkeit,
Nicht seine Wunden pflegt, das Schmerzgefühl
Im Herzen einsargt und den Schlaf ermordet auf dem Pfühl.

Sing lauter noch! damit ich das erblasste
Antlitz des Heilands nicht mehr schauen muss,
Des wunde Hand einst meine Hände fasste,
Des Mund mich oft geküsst mit blutigem Kuss:
Stumm nun und marmorn sitzt er trauriglich
Verlassen im entehrten Haus und weint, vielleicht um mich.

Erinnerung, wirf deine Muschel fort!
Brich deine heisre Laute, Melpomene!
Schmerz, bleib in deiner Klausenzelle dort,
Trüb nicht Kastaliens Klarheit mit der Träne!
Halt ein, trauriger Vogel, denn sonst flieht
Des Waldes sylvan'sche Stille vor so wild bewegtem Lied.

Halt ein! oder wenn's schwer ist, stumm zu sein,
Wähl dir der schlichtren Drossel Pastoral!
Sorglos und heiter, taugt es unsrem Hain
Besser als deines Lieds Verzweiflungsqual;
Halt ein! und lass es von des Nordwinds Flucht
Zu Thraziens Felsen tragen und zu Daulis' stürm'scher Bucht.

Ein Augenblick noch und das Zweigicht rauschte,
Endymion trat mondwandlerisch hervor
In seiner Liebe, auf die Themse lauschte:
Platscht Pan im Schilfe nicht nach einem Rohr,
Aus blauer Grotte, halb entzückt, halb bang,
Jene Najade vorzulocken durch der Flöte Klang?

Ein Augenblick noch und die Taube girrte,
Die silberne Tochter rief der silbernen See
Den Buhlen, der auf Jägerpfaden irrte,
In holder Arme Fesseln, Dryope
Warf ihres Eichbaums Äste aus, verliebt,
Bis der goldhaar'ge Jüngling in sein ächzend Joch sich gibt.

Ein Augenblick noch und die Bäume küssten
Daphne, die eben aus dem Bann erwacht
Zitternder Lorbeern, mit den Knabenbrüsten
Stand Galmacis nackt in der Mondennacht
Und matt wollüst'gen Lächelns hier am Fluss,
Des Nilstroms roter Lotos, wandelte Antinous,

Das Haupt gesenkt von schwarzer Lockenlast,
Ihm schaltend über schlummerschwere Lider,
Und dort auf gras'gem Hang von grüner Rast,
Im Stolze ihrer jungfräulichen Glieder,
Trieb Artemis, zum jagen hochgeschürzt,
Den Hirsch mit ihrer Meute auf, der ihrem Speerwurf stürzt.

Lieg still, lieg still, wild schlagend Herz, lieg still!
Falte, Melancholie, die Rabenflügel!
Schluchzende Dryas, wenn ich Antwort will,
Klag' nicht so bang aus deinem hohlen Hügel!
Klag' nicht um Marsyas' Schändung mehr! Apoll
Will keine Schmerzenslieder hören, so verzweiflungsvoll!

Es war ein Traum, öd ist die Waldlichtung,
Die Luft bewegt kein sanft ironisch Lachen,
Träg kriecht die Themse durch die Niederung,
Der junge Bacchus floh mit seinen Bacchen
Aus dem Gehölz, nun ganz vereinsamt, sieh!
Doch noch aus Nunehams Hain kommt jene Süße

So traurig, dass mit jedem Laut wir wähnen,
Ein menschlich Herz bricht, ein Mysterium,
Das in Musik oft liegt als der den Tränen
Und der Erinnerung nächsten Kunst; warum,
Klagende Philomele, bangt es dir?
Nein, deine Schwester kommt nicht her, Pandion ist nicht hier,

Kein grimmer König hier, kein Mörderstahl
Und kein Geweb mit blutigem Parament,
Hier schwärmen Freunde nur durchs moos'ge Tal,
Auf warmer Anhöh ruht hier der Student,
Sein Buch halb zu, auf Schlängelpfaden geht
Abends ein ländlich Liebespaar, im stillen Glück beredt.

Kaninchen spielen harmlos vor den Gruben
Am ausgetretnen Leinweg mit der Brut,
Wo lärmend kaum ein Trupp lachender Buben
Dein schnellen Achter nachschrie zum Salut,
Die Spinne knüpft ihr silbernes Gewirr
Von Sommerfäden, und es blinkt ein schwaches Lichtgeflirr

Aus hoher Schuppen düsterroten Hallen,
Wo nun der Schäfer blökend Lamm für Lamm
In Hürden lässt, und leise Rufe schallen,
Streicht ein Oxforder Boot an Sandfords Damm,
Dass aus dem Schilfversteck das Moorhuhn flieht
Und, Schwalben gleich, am Hügel auf der Flug der Schatten zieht.

Heimfliegt der Reiher zu den Sümpfen ferne,
Im blauem Nebel schauert Baum und Strauch,
Goldwelt an Welt, erscheinen still die Sterne,
Und wie ein Blumenblatt vorm Windeshauch,
So treibt ein weißer Mond durchs Himmelsklar,
Stumm lauschend deiner Threnodie so schmerzlich wunderbar.

Die Göttin sieht dich nicht, wie könnte sie!
Sie weiß, Endymion wird nicht ferne sein;
Ich bin's, ich bin es, dessen Seele wie
Das Rohr ist, das von selbst nicht tönt, allein,
Wenn es ein andrer spielt, ich bin es, weit
Von jedem Wind entführt über ein Meer von Herzeleid.

Da schweigt die braune Brust: ein schönster Triller
Bebt überm dunklen Waldland lang hinaus,
Hinsterbend in Musik; und still und stiller,
So still, dass man die sachte Fledermaus
Hinstreichen hört und kreisen überm Tann,
Den Tropfenfall aus Glockenblumenkelchen zählen kann.

Und überm Weidengrunde und den dunkeln
Gestrüppen fern im flachen Lande weist
Des Magdalenenturms hellgoldig Funkeln
Des Städtchens lange High-Street mir und heißt
Zurück mich kehren: horch! es mahnt mich schon
Weither vom Christ-Church-Tor der Abendglocken tiefer Ton.