Apologia

Ist es dein Wille, dass ich bleich vergehe,
Dass grauen Zwilch statt goldnen Kleids ich trage,
Dass ich dir webe dies Geweb von Wehe,
Drin alle Fäden nur verlorne Tage?

Ist es dein Wille, Liebe, die ich minne,
Dass meiner Seele Haus ein Ort der Sünden,
Darin wie böse Buhlen Höllensinne
Mit jenem Wurm, der niemals stirbt, sich winden?

Doch ist's dein Wille, harr ich aus im Leiden;
Ich werde meinen Stolz zu Markte tragen
Und will mich in ein müd Ermatten kleiden
Und lass die Sorge mir das Herz zernagen.

Mag sein, dass es so besser ist - ich habe
Zumindest nicht mein Herz versteinern lassen,
Ich raubte nicht der Jugend ihre Gabe
Und ging nicht dort, wo sie die Schönheit hassen.

Wohl manch ein Mann wollt seine Seele schützen
Und schlang ihr enge Fesseln um die Schwingen,
Ging staubigen Weg in stumpfen Eigennützen
Und hörte nicht im Wald die Freiheit singen,

Sah den gefleckten Falken nicht im Fluge
Auf weiten Schwingen durch die Lüfte schweifen
Dorthin, wo hoch auf steilstem Felsenzuge
Zerfloss des Sonnengoldes letzter Streifen,

Sah nicht, wie unter seinem Fuß im Grase
Maßliebchen starb mit weißumkränzter Blüte,
Das sanften Blicks gefolgt der Sonnenstraße,
Beglückt, wenn einmal es in Gold erglühte.

Doch sei mir's schon genug, dass ich gewesen
Der Herzgeliebteste für kurze Zeiten,
Dass Liebe zum Gefährten mich erlesen,
Und dass ich sah die Purpurschwingen gleiten;

Mag auch der Wollust satte Schlange fressen
Am Knabenherzen, ach ich leide gerne,
Halb ich doch Schönheit Aug in Aug besessen
Und alle Liebe, die bewegt die Sterne!