Am Arno

Der Mauer-Oleander füllt
Karminrot sich im Dämmerlicht,
Obgleich noch bleiches Dunkel dicht
Wie Leichentuch Florenz umhüllt.

Es glänzt der Tau den Weg entlang,
Es glänzen alle Blüten dort,
Doch ach! die Grashüpfer sind fort,
Es schweigt der kleine attische Sang.

Nur durch die zitternden Blätter all
Zieht leis das Atmen frischer Luft,
Und in des Tales Mandelduft
Singt einsam noch die Nachtigall.

O Nachtigall, der Tag macht bald
Dich still, - o sing um Liebe fort,
So lang des Mondes Pfeile dort
Zersplittern auf dem dunklen Wald.

O sing, bevor ins stumme Land
Meergrün der Morgennebel steigt
Und bangem Blick der Liebe zeigt
Der Dämmrung lange weiße Hand,

Die schnell im Osten aufwärts ragt,
Dass todesbang die Nacht erschrickt,
Und nichts nach dem, was mich entzückt,
Und nach der sterbenden Nachtigall fragt.