Maximen zur Belehrung der Über-Gebildeten

Bildung ist etwas Wunderbares. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.

Eine Öffentliche Meinung gibt es nur dort, wo Ideen fehlen.

Die Engländer entwerten immer Wahrheiten zu Fakten. Wenn eine Wahrheit zum Faktum wird, verliert sie jeden intellektuellen Wert.

Es ist höchst bedauerlich, dass man heutzutage so wenig unnütze Neuigkeiten erfährt.

Das einzige Bindeglied zwischen Literatur und Theater, das wir heute in England noch haben, ist das Programmheft.

Früher wurden Bücher von Literaten geschrieben und vom Publikum gelesen. Heute werden sie vom Publikum geschrieben und von niemandem gelesen.

Die meisten Frauen sind so gekünstelt, dass ihnen jeder Sinn für die Kunst fehlt. Die meisten Männer sind so natürlich, dass ihnen jeder Sinn für die Schönheit fehlt.

Freundschaft ist weit tragischer als Liebe. Sie dauert länger.

Das Abnorme im Leben steht in normalem Verhältnis zur Kunst. Es ist das Einzige im Leben, was in normalem Verhältnis zur Kunst steht.

Ein Gegenstand, der vollkommen schön ist, regt den Künstler nicht an. Es fehlt ihm das Unvollkommene.

Der Künstler kann nur eins nicht sehen: das Offensichtliche. Das Publikum kann nur eins sehen: das Offensichtliche. Resultat: die Zeitungskritik.

Die Kunst ist das einzig Ernsthafte auf der Welt. Und der Künstler ist der einzige Mensch, der nie ernsthaft ist.

Um wirklich mittelalterlich zu sein, dürfte man keinen Körper haben. Um wirklich modern zu sein, dürfte man keine Seele haben. Um wirklich griechisch zu sein, dürfte man keine Kleider haben.

Das Dandytum ist der Beweis für die absolute Modernität der Schönheit.

In der Armut ist der einzige Trost die Verschwendung. Im Reichtum ist der einzige Trost die Sparsamkeit.

Man sollte niemals anderen zuhören. Es ist ein Zeichen von Gleichgültigkeit den eigenen Zuhörern gegenüber.

Auch einjünger ist einem von Nutzen. Er steht hinter dem Thron und flüstert einem im Augenblick des Triumphs ins Ohr, dass man trotz allem unsterblich sei.

Die Verbrecherklasse ist uns so nah, dass sogar der Gendarm sie sieht. Sie ist uns so fern, dass nur der Dichter sie versteht.

Wen die Götter lieben, den lassen sie jung werden.