James Abbott McNeill Whistler - Ein Leben in Zahlen

1834

James Abbott McNeill Whistler am 11. Juli in Lowell im Bundesstaat Massachusetts geboren.

1843

Die Familie übersiedelt nach Russland, wo der Vater als Bauingenieur für die Eisenbahn St. Petersburg-Moskau tätig ist. Whistler erhält in St. Petersburg ersten Kunstunterricht

1848

Wegen rheumatischer Anfälle verbringt er den Großteil des Jahres bei seiner älteren Halbschwester, die mit Seymour Haden, einem Chirurgen und versierten Amateurkupferstecher, verheiratet ist.

1849

Nach dem Tod des Vaters kehrt die Familie in die Vereinigten Staaten zurück. Whistler wird in einer Schule in Promfret in Connecticut eingeschrieben. Erstes bekanntes Gemälde: Die Nichte des Künstlers.

1851

Ankunft in West Point am 3. Juni. 1853 wegen schlechter Studienergebnisse und Fehlverhaltens ausgeschlossen.

1852

Im Herbst Zulassung zu den von Robert Walter Weir geleiteten Zeichenklassen in West Point. Klassenbester im Zeichnen.

1854

Ein Versuch, in West Point erneut aufgenommen zu werden, schlägt fehl. Im Juli bricht Whistler zu einem Besuch der Familie Winans in Baltimore auf, die in einem palastartigen, von Gärten mit klassischen Figuren umgebenen Landhaus wohnt. Er verbringt seine Zeit mit Entwurfzeichnungen im Zeichenbüro der Winans'schen Lokomotivfabrik. Im November erhält er eine Stelle bei der US Küstenaufsichtsbehörde. Er wird zunächst der Zeichenabteilung, danach im Dezember der Abteilung der Graveure zugeteilt, wo er seine erste Unterweisung in der Kupferstechkunst erhält

1855

Austritt am 12. Februar. Rückkehr zu Tom Winans, der ihn in seinen künstlerischen Bestrebungen bestärkt und mit Darlehen für den Ankauf von Utensilien unterstützt. Kurz nach Erreichen der Volljährigkeit wandert er nach Europa aus. Er verbringt einige Wochen in London und trifft am 3. November in Paris ein. Er inskribiert die Abendklassen der Ecole Impériale et Spéciale de Dessin und verbringt viel Zeit im Quartier Latin.

1856

Er führt in Paris das Leben eines Bohémiens. Im Juni tritt er in die Académie Gleyre ein und beginnt kurz danach im Louvre Gemälde zu kopieren.

1857

Gemeinsame graphische Unternehmung mit drei in Paris wirkenden englischen Künstlern, Edward D. Poynter, L. M. Lamont und George du Maurier. Im September fährt er nach Manchester zur dortigen Kunstausstellung, wo er eine hervorragende Auswahl holländischer Gemälde und Radierungen zu sehen bekommt.

1858

Während eines Rekonvaleszentenaufenthalts im Haus seines Schwagers in London erste Radierungszyklen. Im April Rückkehr nach Paris, wo er Stiche arbeitender Frauen in realistischer Manier in Angriff nimmt. Im Sommer unternimmt er eine Kunstwallfahrt nach Amsterdam, um dort die Werke der holländischen Meister des 17. Jahrhunderts zu sehen. Durchs Elsass reist er nach Straßburg, folgt dann dem Rhein bis Köln und fährt weiter nach Amsterdam, Bleistift und Aquarellpinsel stets griffbereit. Zurück in Paris macht er die Bekanntschaft Henri Fantin-Latours, der ihn Alphonse Legros, Felix Bracquemond und Edouard Manet vorstellt. Im November geht er nach London. Er sticht den Französischen Zyklus und häusliche Genreszenen. Am Klavier begonnen.

1859

Rückkehr nach Paris am 12. Januar. Am Klavier vom Salon zurückgewiesen. Mehrfache Kurzreisen nach London, wo zwei Radierungen ausgestellt werden - die ersten Werke Whistlers, die in England zu sehen sind. Arbeit an Radierungen über englische Landschaften und die Themse. Erste Kaltnadelradierungen. Am Klavier im Atelier François Bonvins in Paris ausgestellt.

1860

Miete eines Ateliers in London, 70 Newman Street. Wapping, Die Themse im Winter, Harmonie in Grün und Rosa: Das Musikzimmer, letzteres eines seiner letzten Gemälde im Stil der französischen Realisten. Am Klavier in der Royal Academy in London ausgestellt, kritische Zustimmung. Seine Geliebte, Joanna Heffernan, sitzt ihm für zahlreiche Stiche, Zeichnungen und Gemälde Modell.

1861

Landschaften aus der Bretagne. Zusammentreffen mit Edgar Degas.

1862

Übersiedlung nach Chelsea. Symphonie in Weiß Nr. 1: Das Weiße Mädchen von der Royal Academy abgewiesen. Landschaften von der baskischen Küste. Beginn der Freundschaft mit Dante Gabriel Rossetti.

1863

Das Weiße Mädchen im Salon des Refusés in Paris gezeigt, großes Aufsehen. Whistler unterbricht seine Tätigkeit als Stecher auf die Dauer von sieben Jahren. Im März Übersiedlung in das Haus 7 Lindsey Row ebenfalls in Chelsea. Ausflug nach Amsterdam.

1864

Der goldene Paravent, Der Balkon, Rosa und Silber. Die Prinzessin aus dem Land des Porzellans. In diesen Werken Versuch Whistlers, Grundsätze orientalischer Kunst ins eigene Schaffen zu integrieren. Durch Rossetti mit dem Liverpooler Schiffsmagnaten Frederick Leyland bekannt geworden.

1865

Fahrt auf dem Rhein, danach Aufenthalt in Trouville, wo Courbet und Whistler zusammen arbeiten. Vier Landschaften. Symphonie in Weiß Nr. 2: Das Weiße Mädchen in der Royal Academy ausgestellt. Dort trifft er Albert Moore, der auf ihn großen Einfluss ausübt.

1866

Reise nach Chile. Ansichten von Valparaiso und erste Gemälde nächtlicher Szenen.

1867

Nächtliche Szenen an der Themse. Übersiedlung in ein anderes Haus in Chelsea, 2 Lindsey Row. Bruch mit Haden und Legros.

1868

Erster Besuch in Speke Hall, der Liverpooler Residenz seines Gönners Frederick Leyland.

1871

Veröffentlichung des Themse-Zyklus.

1872

Arrangement in Grau und Schwarz Nr. 1: Bildnis der Mutter des Künstlers, gegen das sich das Auswahlkomitee der Royal Academy sträubt. Arrangement in Grau und Schwarz Nr. 2: Bildnis Thomas Carlyle. Erste Gemälde im Zyklus der Nocturnes. Nocturne: Blau und Silber - Die Lichter von Cremorne.

1874

Erste Einzelaustellung in der Flemish Gallery in London. Porträts und Nocturnes. Nocturne in Schwarz und Gold: Das Feuerwerk.

1875-79 Kupferstiche und Kaltnadelradierungen über die Themse. Übersiedlung der Mutter von London nach Hastings.
1876 Teilnahme an der Ausstellung der Society of French Artists in der Deschamps Gallery in London. Das Pfauenzimmer. Maud Franklin wird seine Geliebte und sein Modell.
1877 Bruch mit Leyland. Verheerender Prozess gegen den Kunstkritiker John Ruskin.
1878 In die Lithographie eingeführt. Umzug in das von ihm selbst erbaute »Weiße Haus« in der Tite Street in Chelsea. Veröffentlichung des Buches »Whistler gegen Ruskin: Kunst und Kunstkritiker«.
1879 Späte Themseradierungen. Trotz finanziellen Erfolgs seiner Radierungen im Mai bankrott erklärt. Verlust des Londoner Hauses und Versteigerung zahlreicher Gemälde. Die Fine Art Society gibt zwölf Radierungen aus Venedig in Auftrag. Im September Abreise nach Venedig.
1880 Radierungen und Pastelle in Venedig. Rückkehr nach London im November, Veröffentlichung des Venedig-Zyklus, einer Folge von zwölf Radierungen. Vom Publikum und den Kritikern ungünstig aufgenommen.
1881 Erfolgreiche Ausstellung von 53 venezianischen Pastellen in der Fine Art Society. Gemälde und Radierungen von Londoner Straßenszenen. Tod der Mutter.
1883 Ausstellung von 51 Radierungen in der Fine Art Society: Gegenüberstellung der Platten aus Venedig und einiger aus London. Bei der Kritik fiel die Schau durch, andere Künstler jedoch wie John Everett Millais und Camille Pissarro sprachen ihre Bewunderung aus. Teilnahme an der Zweiten Internationalen Ausstellung in der Galerie Georges Petit in Paris. Bildnis Théodore Duret. Öl- und Aquarellandschaften aus Cornwall. Lithographien.
1884 Große Einzelausstellung von Aquarellen in der Dowdeswell Gallery in London.
1885 Whistler hält in London seine »Zehn-Uhr-Vorlesung«, in der er seine ästhetischen Prinzipien darlegt und die Ästhetik Ruskins angreift. Reise nach Belgien, Holland und Dieppe.
1886 Veröffentlichung des Zweiten Venedig-Zyklus: 26 Radierungen mit einem Thesenblatt (Propositions), in dem Whistler seine Gedanken über die Kunststecherei formuliert. Am 1. Juni Wahl zum Präsidenten der Society of British Artists, einer Ausstellungsgesellschaft, die am Ende des 19. Jahrhunderts das Monopol der Royal Academy brechen sollte. Einzelausstellung in der Dowdeswell Gallery: Notizen, Harmonien und Nocturnes.
1887 Veröffentlichung der Jubiläumsradierungen: zwölf kleinformatige Platten. Im Herbst Fahrt nach Holland und Belgien: 19 Radierungen, darunter 13 aus Brüssel; Publikation im Jahr danach. Teilnahme an der Sechsten Internationalen Ausstellung in der Galerie Georges Petit in Paris. Veröffentlichung von sechs Lithographien, der Art Notes.
1888 Ausstellung in der Galerie Durand-Ruel in Paris. Am 11. August Heirat mit Beatrix Godwin. Sie war ihrerseits eine begabte Künstlerin und Graphikerin. Reise ins Tal der Loire und zu den Städten der Touraine: Die Renaissanceradierungen (niemals im Zusammenhang publiziert). Teilnahme an der Internationalen Ausstellung in München. Übersetzung der »Zehn-Uhr-Vorlesung« ins Französische durch Stéphane Mallarmé. Théodore Duret publiziert sein Buch »Whistler und sein Werk«.
1889 Große Ausstellung von Ölgemälden, Aquarellen und Pastellen in der Wunderlich Gallery in New York: Notizen, Harmonien und Nocturnes. Im August Reise nach Amsterdam, wo zehn Radierungen entstehen. Sie werden im darauffolgenden Jahr im Grolier Club in New York und in der Dunthorne's Gallery in London ausgestellt, wo sie die Bewunderung George Bernard Shaws hervorrufen. Neun Radierungen werden in der britischen Abteilung der Weltausstellung in Paris zur Schau gestellt.
1890-96 Lithographische Arbeiten.
1890 Zusammentreffen mit Charles Freer, einem Mäzen lebender amerikanischer Künstler und Sammler orientalischer Kunst. Veröffentlichung einer kritischen Ausgabe von Whistlers Korrespondenz unter dem Titel »Die feine Art, wie man sich Feinde schafft«.
1891 Arrangement in Grau und Schwarz Nr. 1: Bildnis der Mutter des Künstlers von den Französischen Staatssammlungen erworben. Bildnis Robert de Montesquiou. Im Sommer in Paris lithographische Arbeiten.
1892

Retrospektivausstellung in der Goupil Gallery in London: 43 Nocturnes, Seestücke und Staffelbilder. Er schlägt sein Quartier in Paris in der Rue de Bac 110 auf, das Atelier befindet sich in der Rue Notre-Dame-des-Champs 86. Schon zuvor im selben Jahr ist er dank der Bemühungen Mallarmés und Claude Monets in die Ehrenlegion aufgenommen worden. Er nimmt die Arbeit an radierten Veduten aus Paris auf. Teilnahme an der zweiten Ausstellung der Société des Beaux-Arts und der Sechsten Internationalen Ausstellung in München.

1893 Drucklegung der Pariser Veduten begonnen; der Druck der 23 Platten wird erst 1899 abgeschlossen. Whistler wechselt von der Radierung zur Lithographie: zwölf Steindrucke von Pariser Themen. Im Juli Reise in die Bretagne.
1894 Krebserkrankung der Gattin; sie stirbt zwei Jahre später. Zyklus von Aktszenen. Harmonie in Blau und Gold: Das kleine Mädchen in Blau. Reihe von Porträts.
1895

Bildnisse junger Frauen und Kinder. Serie von Selbstporträts. Er verbringt einige Zeit in Lyme Regis in Dorset.

1896 Nach dem Tod seiner Frau gibt er auch die Lithographie auf.
1897 Rosa und Grau: Geniviève Mallarmé. Fahrt nach Dieppe.
1898 Wahl zum Präsidenten der Internationalen Gesellschaft der Bildhauer, Maler und Graveure. Eröffnung einer kurzlebigen Kunstschule in Paris in der Passage Stanislas 6.
1899 Entstehung einer Folge von Aktszenen. Erscheinen des Buches »Eden contra Whistler: Der Baronet und der Schmetterling«. Reise nach Florenz und Rom. Sommer in Pourville-sur-Mer bei Dieppe. Einem Zyklus seiner Radierungen ist ein eigener Raum auf der Zweiten Internationalen Ausstellung in Knightsbridge in London gewidmet. Fahrt nach Holland und Irland.
1900 Winter in London, ein Teil des Sommers in Irland. Seit 1897 lassen seine Kräfte nach; nach einer Reihe gesundheitlicher Attacken reist er per Schiff über Gibraltar nach Tanger und Algier. Auf der Pariser Weltausstellung wird er mit dem Großen Preis für die Nadelkunst ausgezeichnet.
1901 Erkrankung in Marseille, Überfahrt nach Korsika auf der Suche nach milderem Wetter, dort erneut Arbeit an Radierungen. Vier Platten erhalten. Im Mai Rückkehr nach London; Verkauf des Hauses in Paris. Aufenthalt in Bath.
1902 Zusammen mit Charles Freer Fahrt nach Den Haag, wo er einen leichten Herzanfall erleidet. Er mietet ein Haus in London, 72 Cheyne Walk.
1903 Whistler stirbt in London am 17. Juli an einem Herzinfarkt und wird in dem kleinen, die Themse überblickenden Friedhof von Chiswick zur letzten Ruhe bestattet. Sein Grab ist nur wenige, Meter von jenem Hogarths entfernt.

1905

In der New Gallery in London finden mit 750 Werken und an der Ecole des Beaux-Arts in Paris mit 438 zwei der wichtigsten Gedächtnisausstellungen statt.
1984 Hundertfünfzigjahrjubiläum von Whistlers Geburt. Größere Ausstellungen in der Freer Gallery in Washington, in der Hunterian Art Gallery in Glasgow, im Los Angeles County Museum of Art und im Metropolitan Museum of Art in New York.

Buchvorschlag:

Die artige Kunst, sich Feinde zu machen. - James Abbott McNeill Whistler Die artige Kunst, sich Feinde zu machen. Mit einigen unterhaltenden Beispielen, wie ich die Ernsthaften dieser Erde zuerst mit Vorbedacht zur Raserei und dann in ihrem falschen Rechtsbewusstsein zu Unanständigkeit und Torheit gebracht habe

von James Abbott McNeill Whistler

Preis: 12,00 DM | Gebunden | 300 Seiten | Verl. d. Kunst, Dresd. | 1996 | ISBN 905705020X