Referat über „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde
Ilona Mages - 17.10.2002 - LK Deutsch 2001/03
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1. Leben Wildes Oscar Wilde - sein vollständiger Name war Oscar Fingal O`Flahertie Wills Wilde - wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin geboren. Sein Vater war ein berühmter Augenarzt und seine Mutter eine Dichterin der Revolution von 1848. Wilde hatte zwei Geschwister, einen älteren Bruder, William, und eine jüngere Schwester, Isola Francesca, die noch im Kindesalter starb. Außerdem hatte er noch einige Halbgeschwister, die unehelichen Kinder seines Vaters. Von 1864 - 1871 besuchte Wilde die Portora Royal School und von 1871 - 74 das Trinity College in Dublin. Mit 20 Jahren erhielt er ein Stipendium, das ihm den Besuch des Magdalen Colleges in Oxford ermöglichte. Sowohl am Trinity College als auch in Oxford fühlte sich Wilde stark zum Katholizismus hingezogen, konvertierte aber nicht, aus Angst, von seinem Vater enterbt zu werden. Am Magdalen College , wo er bis 1878 Altphilologie studierte, machte er die Bekanntschaft von zwei führenden Vertretern des Ästhetizismus: John Ruskin und Walter Pater. Im Abschlussjahr des Studiums gewann er mit seinem Gedicht „Ravenna“ den Newdigate-Preis, eine sehr hohe Auszeichnung. Nach dem Erwerb des Grades eines Bachelor of Arts beschloss er, sich als Kritiker in London niederzulassen. Aufgrund seiner Beredsamkeit wurde er bald der Mittelpunkt der Londoner Gesellschaft. 1881 erschienen seine „Poems“ und sein Drama „Vera oder Die Nihilisten“ erschien als Privatdruck. Mit diesem Stück hatte er allerdings keinen Erfolg: Die Aufführung in England wurde aus polit. Gründen abgesagt und in Amerika setzte man es nach kurzer Zeit wieder ab. 1882 unternahm er eine Reise durch die USA und Kanada, während der er Vorträge über den Ästhetizismus hielt, als dessen Vertreter er mittlerweile galt. Am 26. November 1883 verlobte er sich mit Constance Lloyd, die er am 29. Mai 1884 heiratete. Die Söhne Cyril und Vyvyan wurden 1885 und 1886 geboren. Dennoch trat schon in den folgenden Jahren Wildes homosexuelle Neigung zu Tage. In den kommenden Jahren arbeitete Wilde für verschiedene Magazine und Zeitschriften und veröffentlichte seine bekannten Essays, seine Erzählungen und seine Märchensammlungen. Am 20. Juli 1890 erschien schließlich „Das Bildnis des Dorian Gray“ in „Lippincott`s Monthly Magazine“. Wilde einziger Roman war für die prüde Viktorianische Gesellschaft ein Skandal. Die im April 1891 erschienene Fassung in Buchform war deshalb merklich abgeschwächt. Im Jahr 1891 lernte Wilde den 16 Jahre jüngeren Lord Alfred Douglas („Bosie“) kennen, mit dem er eine leidenschaftliche Liebesbeziehung hatte. Die Zeit ihrer Beziehung wurde die Zeit von Wildes größtem literarischen Triumph. In den folgenden Jahren schriebe er seine fünf großen Dramen: „Salome“, „Lady Windermere`s Fan“, „A Woman of No Importance“, „An Ideal Husband“ und „The Importance of Being Earnest“. Aber die Freude hielt nicht sehr lange an. Bosies Vater, der Marquess von Queensberry, den mit seinem Sohn eine regelrechte Feindschaft verband, bezeichnete Wilde als „Sodomiten“ (= Homosexueller). Wilde strengte eine Verleumdungsklage gegen Bosies Vater an. Doch das Blatt wendete sich: letztendlich saß Wilde wegen Sodomie auf der Anklagebank. Seine Schuld konnte durch die Aussage einiger Strichjungen und anhand von zwei Liebesbriefen an Bosie bewiesen werden. Wilde wurde zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt. Mit seiner Verurteilung endeten auch seine literarische Karriere und sein gesellschaftlicher Ruhm. Aus dem gefeierten Theaterdichter wurde ein Geächteter. Sogar Frau und Kinder mussten aus England fliehen und einen anderen Namen annehmen. Während der letzten Gefängnismonate bekam er die Erlaubnis zu schreiben. Er schrieb einen langen Brief an Bosie, der nach seinem Tod unter dem Titel „De Profundis. In carcere et vinculis“ veröffentlicht wurde und in dem er seinem Freund z.T. ungerechtfertigte Vorwürfe machte. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis musste Wilde England verlassen und das Pseudonym Sebastian Melmoth annehmen. Sein einziges kreatives Werk, das noch folgte, war „Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading“. Trotz der Vorwürfe in „De Profundis“ versöhnte er sich nach seiner Freilassung 1897 mit Bosie, weshalb ihm verboten wurde, seine Kinder zu sehen. Doch die Beziehung der beiden verlief nicht glücklich. Wilde starb krank und verhältnismäßig einsam am 30. November 1900 in Paris. Auf dem Totenbett war er zum Katholizismus konvertiert. 2. Ästhetizismus Wilde selbst definierte den Ästhetizismus 1882 wie folgt: „Ästhetizismus ist die Suche nach den Symbolen des Schönen. Er ist die Wissenschaft des Schönen, die den Zusammenhang zwischen den Künsten erforscht. Er ist genauer gesagt die Suche nach dem Geheimnis des Lebens.“ Das Geheimnis des Lebens lag für ihn in der Kunst. Dieses Zitat enthält zwei Schlüsselworte des Ästhetizismus: Schönheit und Kunst. Eine einheitliche Definition von Ästhetizismus gibt es nicht. Die beiden Ästheten, die Wilde am meisten beeinflussten, vertraten auch völlig gegensätzliche Ansichten.
3. Personen: Dorian Gray: Ein ungewöhnliche gutaussehender Mann, dessen Charakter im Laufe des Romans eine Wandlung durchmacht. Aus einem gutherzigen, unschuldigen jungen Mann wird im Laufe der Jahre ein hartherziger Egozentriker. Lord Henry Wotton: Ein Adliger, etwas älter als Dorian. Er ist Vertreter des Paterschen Ästhetizismus und hat im Roman die Rolle des Verführers. Basil Hallward: Ein sehr talentierter Maler, der Dorian und Lord Henry Wotton miteinander bekannt macht. Er ist Dorian in schwärmerischer Leidenschaft ergeben. Basil ist gutherziger und weitaus weniger sarkastisch als Henry Wotton; er ist vielmehr ein Idealist, für den Dorians Schönheit auch das Reine und Gute darstellt. Sibyl Vane: eine junge Schauspielerin, die kurzzeitig mit Dorian verlobt ist. Ihre Gabe verlässt sie, als sie sich in ihn verliebt. 4. Handlung: Das Buch beginnt mit einem Gespräch zwischen Lord Henry Wotton und Basil Hallward im Atelier des Malers. Basil erzählt Lord Henry von Dorian Gray, der ihm in der letzten Zeit des öfteren Model gestanden hat. Dabei erzählt er ihm auch, welche Bedeutung Dorian für ihn und seine Kunst hat. Er verehrt sowohl Dorians Persönlichkeit als auch seine Schönheit und sagt, dass seine besten Werke nur so gut geworden seien, weil Dorian neben ihm saß. Basil schwärmt also geradezu von Dorian. Dennoch will er unbedingt verhindern, dass sich Lord Henry und Dorian treffen, da er fürchtet, dass Dorian dadurch schlecht beeinflusst werden könnte. Als Dorian allerdings ins Atelier kommt, um Basil für ein Porträt zu sitzen, ist ein Treffen unvermeidlich. Während Basil ganz vertieft in seine Arbeit ist, unterhält sich Lord Henry mit Dorian. Dabei singt er ein Loblied auf die Jugend, die in seinen Augen das einzige Erstrebenswerte ist, und beklagt ihre Kürze. Er fordert Dorian auf, die wenigen Jahre, in denen er so jung und schön ist, vollkommen auszukosten. Dorian ist fasziniert von diesen Theorien und als Basil das Porträt vollendet hat, erkennt er zum ersten Mal wirklich seine Schönheit. Er ist eifersüchtig auf das Porträt, da es immer so jung bleiben wird, während er altern muss. Dorian äußert den Wunsch, das Bild möge an seiner statt alt werden und er möge für immer so jung bleiben, wie an diesem Tag. Dafür - so sagt er - würde er alles geben, sogar seine Seele. Etwa einen Monat später teilt Dorian Lord Henry mit, dass er sich in eine junge Schauspielerin verliebt hat. Sibyl Vane, mit der er sich am selben Abend auch verlobt, hat ihn v.a. mit ihrem schauspielerischen Talent und ihrer Schönheit beeindruckt. Um sie seinen beiden Freunden zu zeigen, überredet er Lord Henry, mit ihm und Basil ins Theater zu gehen, um sie spielen zu sehen. Sibyls Bruder, James Vane, ein Seemann, der am selben Tag nach Australien abreist, hat allerdings etwas gegen Dorian. Er fürchtet, dass er Sibyl schlecht behandeln könnte und schwört, ihn zu töten, falls er ihr etwas antun sollte. Am Abend besucht Dorian mit dem anfangs eifersüchtigen Basil und Lord Henry die Vorstellung. Sibyl, die er als Genie gepriesen hat, spielte allerdings miserabel und gekünstelt. Als er sie nach der Aufführung hinter der Bühne trifft, erklärt sie ihm, dass sie nur deshalb so schlecht gespielt habe, weil sie jetzt die wahre Liebe kenne und ihr die Theaterliebe nichts mehr bedeute. Dorian allerdings reagiert verletzend und bezeichnet sie als dumme drittklassige Schauspielerin, die seine Liebe zu ihr getötet habe. Als sie sich ihm weinend und flehend zu Füßen wirft, empfindet er sie als lächerlich und verlässt sie. Daraufhin begeht Sibyl Selbstmord. Zuhause fällt Dorians Blick auf das Porträt, das Basil von ihm gemalt hat, und er hat das Gefühl, dass der Gesichtsausdruck grausamer geworden ist. Als er am nächsten Tag beschließt, Sibyl um Verzeihung zu bitten, erfährt er durch Lord Henry von ihrem Selbstmord. Erst geschockt, lässt er sich von Lord Henry einreden, dass es doch schön sei, wenn sich jemand aus Liebe zu ihm umbringt. Nach dieser Nachricht betrachtet er das Bild und kommt zu dem Entschluss: „Ewige Jugend, ungezügelte Leidenschaft, raffinierte, heimliche Genüsse, wüste Lust und noch wüstere Sünden - das alles sollte er haben. Das Porträt sollte die Last seiner Schmach übernehmen: So war es entschieden.“ Denn Abend verbringt er mit Lord Henry in der Oper. Als Basil von dieser Gefühlskälte erfährt, ist er entsetzt, lässt sich allerdings dazu hinreißen, Dorian von seiner Schwärmerei für ihn zu erzählen. Diese Stelle hat Oscar Wilde für die Buchversion ganz besonders abgeschwächt. Um der Gefahr zu entgehen, dass irgendjemand einen Blick auf das Porträt und somit auf sein Gewissen wirft, versteckt Dorian es in einem entlegenen Raum des Hauses. Von nun an beginnt er unter Lord Henrys Einfluss und unter dem Einfluss eines Romans, den ihm Lord Henry gegeben hat, seinen „heimlichen Genüssen“ zu frönen und „wüste Sünden“ zu begehen. Er wird ein genusssüchtiger Ästhet, der schöne Dinge um sich schart und auf den der Katholische Ritus eine ganz besondere Faszination ausübt. (à Autobiographisch!) Bald hat Dorian mehrere junge Männer und Frauen in den Ruin getrieben, wobei nie genau gesagt wird, was er getan hat. Alles wird nur angedeutet, aber nie beschrieben. Wilde schrieb später dazu: „Jeder Mensch sieht die eigene Sünde in Dorian Gray. Was die Sünden Dorian Grays sind, weiß niemand. Wer sie findet, hat sie mitgebracht“ Es ist immer nur von Dorians schlechtem Einfluss auf seine Freunde die Rede und er gilt als Mann, „mit dem ein keusches Mädchen keinen Umgang pflegen dürfe und mit dem keine ehrbare Frau im selben Raum sitzen sollte.“ Dabei bleibt Dorian in all den Jahren seine jugendliche Schönheit bewahrt, während sein Porträt altert und die Zeichen seiner Sünden trägt. Am Vorabend seines 38. Geburtstages besucht ihn Basil, um sich von ihm zu verabschieden, da er für längere Zeit nach Frankreich gehen möchte. Bei dem Gespräch der Beiden stellt Basil Dorian zur Rede und bittet ihn, ihm zu versichern, dass all die Gerüchte über ihn falsch seien. Als Basil äußert, er würde Dorians Seele sehen wollen, führt dieser ihn vor das Bild. Erfüllt von Hass auf den Maler, ersticht Dorian ihn, da er das Bild geschaffen hatte. Indem er einen Chemiker erpresst und somit anschließend in den Selbstmord treibt, schafft es Dorian, jede Spur der Leiche zu beseitigen. Einige Zeit später, als sich Dorian in Spelunken am Fluss herumtreibt, wird er von einem Mann bedroht. Wie sich herausstellt, ist es James Vane, der den Tod seiner Schwester rächen will. Dorian kann ihn allerdings vorerst überzeugen, dass er doch viel zu jung sei, um vor 18 Jahren das Leben einer Frau zerstört zu haben. Doch schon eine Woche später verfolgt ihn James Vane erneut, kommt allerdings bei einem Jagdunfall auf Dorians Landhaus ums Leben. Daraufhin beschließt Dorian, sein Leben zu ändern und ein guter Mensch zu werden. Seine gute Tat besteht darin, dass er ein junges Mädchen, das in ihn verliebt ist, „verschont“, d.h. verlässt. Als er Lord Henry von davon erzählt, amüsiert dieser sich darüber. Dorian ist allerdings fest von seiner guten Tat überzeugt und hofft, dass sich sein Porträt zum Positiven verändert haben könnte. Doch das Bild ist eher noch hässlicher geworden und Dorian muss erkennen, dass es womöglich doch nur Heuchelei oder Neugier auf eine neue Erfahrung war, die ihn zu seiner guten Tat trieb. Plötzlich fragt sich Dorian, warum er so wahnsinnig war und das Bild all die Jahre aufgehoben hat. Es ist der einzige Beweis für den Mord an Basil Hallward und oft wurde ihm ein Genuss durch den Gedanken an die mögliche Entdeckung des Bildes zerstört. à Zitat S.326 – S.328 5. Unterschiede zwischen der unzensierten Version und der zensierten Buchversion: - Die Version aus „Lippincott`s Monthly Magazine“ ist um sechs Kapitel kürzer als die Buchversion. Für die Buchversion fügte Wilde dem Roman folgende Kapitel hinzu: a) Kapitel 3: in dem man etwas über Dorians Herkunft erfährt b) Kapitel 5/16/17/18: in diesen Kapiteln wird die gesamte Nebenhandlung mit James Vane erzählt. D.h. in der Originalversion gab es diese Person gar nicht. c) Kapitel 15: in diesem Kapitel ist lediglich eine Diner-Gesellschaft der Upperclass beschrieben. Bei ihr sind auch Dorian und Lord Henry anwesend, der einige „ästhetische“ Apercus von sich gibt. - der Hauptunterschied zwischen den beiden Versionen ist, dass Dorians und auch Basils Homosexualität in der unzensierten Version viel deutlicher zu erkennen ist. Als Basil Dorian gesteht, was er für ihn empfindet, klingt es in der Originalversion wie eine Liebeserklärung à Zitat S. 107 Auch als Basil von Dorians Verlobung mit Sibyl erfährt, reagiert er in der unzensierten Version noch eifersüchtiger à Zitat S.60/110 - Doch schon für die sogenannte „unzensierte“ Version hatte Wilde Zensur geübt. Er strich für das „Lippincott`s Monthly Magazine“ die vielen französischen Ausdrücke, da er genau um die Bedeutung dieser Sprache als Code unter Männerliebhabern wusste. 6. Interpretation: Die Interpretation des Romans ist einfach: Dorians zügelloses und unmoralisches Leben wird mit dem Tod bestraft. Wilde sagte darüber: „Dorian Gray versucht sein Gewissen zu töten und tötet damit sich selbst.“ Zudem zeigt der Roman auch – ähnlich wie andere Romane des 19. Jahrhunderts – dass man einen Menschen nicht nach der äußeren Erscheinung beurteilen kann. Die moralische Aussage ist eigentlich ungewöhnlich, wenn man Wildes Kunsttheorie bedenkt. Um sowohl den Kritiken entgegen zu wirken als auch um seine Kunsttheorie noch einmal zu betonen fügte er der Buchausgabe ein Vorwort hinzu, das aus 21 Aphorismen besteht. Eines der berühmtesten davon lautet: „Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Das ist alles.“ Doch eben diese Aussagen stehen im starken Kontrast zur offensichtlichen Aussage des Romans. 7. Aufnahme des Romans in der viktorianischen Gesellschaft: Trotz der enthaltenen moralischen Botschaft erregte der Roman einen Skandal. Dabei ging es in den Debatten hauptsächlich um die Originalversion aus „Lippincott`s Monthly Magazine“ und nicht um die heute verbreitete Buchversion, die ja nur als Reaktion auf die Kritiken zensiert wurde. Zwar herrschte bei den Anhängern Wildes besondere Freude über diesen Roman, doch die Mehrheit der prüden englischen Öffentlichkeit lehnte das Buch als perversen Roman ab. In der St. James Gazette erschien eine Rezension, in der der Autor schrieb: „Da wir nicht neugierig sind auf Abfälle und auch den Geruchssinn anständiger Menschen nicht zu beleidigen wünschen, bieten wir hier keine Analyse von The Picture Of Dorian Gray“ Die Hauptpersonen – „Schnösel Nr. 1, 2 und 3“ – würden nur über „Sünden und Genüsse und die Genüsse der Sünde“ sprechen. Der Rezensent des Scots Observer schrieb: Wenn Wilde nur für Strichjungen und ihre Kundschaft schreiben könne, „tut er gut daran, Schneider zu werden (oder ein anderes unbescholtenes Handwerk zu ergreifen), und zwar je eher, desto besser für seinen Ruf und die öffentliche Moral.“ Hier wird also schon der Vorwurf deutlich, dass Wilde zur Homosexualität neigen könnte, da er sie in seinem Roman beschrieben habe. Sogar in Wildes Prozess kam der Anwalt der Gegenpartei auf „Das Bildnis des Dorian Gray“ sprechen. Er lies sich im Kreuzverhör über den „perversen Roman“ aus und zerlegte Basils Liebeserklärung an Dorian in alle seine Bestandteile, um Wildes Neigung zu beweisen. Zudem wurden Wilde hier auch die Aphorismen aus dem Vorwort zum Verhängnis, denn der Anwalt griff Wildes Kunstauffassung an, dass unmoralische Bücher gut sein könnten, wenn sie gut geschrieben seien. Ilona Mages Quellen: Wilde, Oscar, „Das Bild des Dorian Gray“, München, Piper Verlag, 2001 Rademacher, Jörg W.(Hrsg.), „Das Bildnis des Dorian Gray – der unzensierte Wortlaut des Skandalromans“, Berlin, Eichborn Verlag, 2000 Funke, Peter, „Oscar Wilde“, Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1999 Montgomery Hyde, H., „The Trials of Oscar Wilde“, New York, Dover Publications, o.J. Ellmann, Richard, „Oscar Wilde“, München, Piper Verlag, 1991 |