James Mc-Neill Whistler - 1834-1903


Amerikanischer Maler und Radierer, der japanische Kunststile assimilierte, technische Erfindungen machte und für die moderne Kunst eintrat. Er wird vielfach für einen der besten Radierer überhaupt gehalten.

James Abbott McNeill WhistlerWhistler wurde am 10. Juli 1834 in Lowell (Massachusetts) geboren. 1851 trat er in die Militärakademie West Point ein, wo er sich jedoch nicht weiter auszeichnete. 1854 verließ er sie wieder und nahm beim staatlichen Küstenvermessungsamt eine Stelle als Kartograph an. Nach einem Jahr ging er nach Paris und wurde Schüler des klassizistischen Malers Charles Gabriel Gleyre, eines Schweizers. Die formale Ausbildung beeinflusste ihn jedoch nicht so stark wie die Bekanntschaft mit dem realistischen Maler Gustave Courbet und anderen führenden zeitgenössischen Künstlern sowie das Studium der großen Meister und der japanischen Kunst.

In Paris erwarb sich Whistler einen Ruf als Radierer, als seine erste Serie Twelve Etchings from Nature (bekannt als The French Set) 1858 herauskam. Bald danach zog er nach London um, wo die Gemälde, die bis dahin immer wieder von den Galerien in Paris abgelehnt worden waren, nun auf Interesse stießen. At the Piano wurde 1860 in der Royal Academy gezeigt. 1863 erhielt er für The White Girl (National Gallery of Art, Washington, D.C.) von der Kritik großen Beifall. Von da an wurden seine ausgestellten Werke international immer stärker beachtet, und auch seine auffällige, exzentrische Persönlichkeit fand großes Interesse.

The Artist´s MotherDrei von Whistlers bekanntesten Porträts, Arrangement in Black and Grey No. 1: The Artist's Mother (Musée d'Orsay, Paris), Arrangement in Grey and Black No. 1: Thomas Carlyle (1872-1874, City Art Gallery and Museum, Glasgow) und Harmony in Grey and Green: Miss Cicely Alexander (Tate Gallery, London) wurden um 1872 gemalt. 1877 schuf er eine Reihe von Landschaften im japanischen Stil. Diese Bilder, die er selbst nocturnes nannte, brachten die konservativen Kritiker auf, die nur mit Unverständnis auf das Aussparen erzählerischer Details, die verschiedenen Schichten atmosphärisch bedingter Farbe und Whistlers Glauben an die Kunst um der Kunst willen reagierten. Der englische Kunstkritiker John Ruskin schrieb einen bissigen, kritischen Artikel, der die berühmt gewordene Beschuldigung enthält, Whistler habe "der Öffentlichkeit einen Farbtopf ins Gesicht geworfen". Daraufhin verklagte Whistler Ruskin auf Schadensersatz, gewann den Prozess auch - einen der berühmtesten seiner Art - wurde aber durch die verursachten Unkosten mittellos. Er verkaufte sein Studio, verließ England und arbeitete von 1879 bis 1880 intensiv in Venedig. Danach kehrte er wieder nach England zurück und nahm seine Attacken auf die akademische Kunst wieder auf.

In seinen späteren Jahren wandte er sich verstärkt dem Radieren, den Kaltnadelarbeiten, der Lithographie und der Raumgestaltung zu. Whistlers Ansehen als Radierer wurde durch die Thames-Serie (1860) sowie die erste (1880) und die zweite Venice-Serie (1881) noch gesteigert; er errang damit einen großen Erfolg, als sie 1881 und 1883 in London gezeigt wurden. Der Peacock Room (Pfauenzimmer), den er für ein Privathaus in London ausmalte (1876 begonnen und 1919 in die Freer Gallery of Art, Washington D.C. verlegt), ist das bemerkenswerteste Beispiel für seine Raumgestaltung. Whistler wurde gegen Ende seines Lebens, als er in Paris wohnte, als bedeutender Künstler gewürdigt. Er starb am 17. Juli 1903.

Oscar Wilde über Whistler

Ich habe Jimmy Whistler in London oft "en passant" gesehen. Er hat gerade eine zweite Serie von Radierungen über Venedig fertiggestellt - Wassergemälde, wie sie auch die Götter noch nie geschaut haben. Seine Ausstellung wird in vierzehn Tagen in einem gelbweißen Raum eröffnet (vom Meister der Farben ausgestattet) mit einem erstaunlichen Katalog.

Das zu malen, was man sieht, ist eine gute Regel in der Kunst, aber zu sehen, was zu malen wert ist, ist besser. Betrachten Sie das Leben unter dem Aspekt des Malers. Es ist besser, in einer Stadt mit veränderlichem Wetter als in einer Stadt mit lieblicher Umgebung zu leben.

Nachdem wir gesehen haben, was den Künstler ausmacht und was "der" Künstler macht, nun die Frage, wer ist der Künstler? Unter uns lebt ein Mann, der alle Qualitäten der edelsten Kunst in sich vereint, dessen Werk eine Freude für alle Zeiten und der selbst ein Meister aller Zeiten ist. Dieser Mann ist Whistler.

Whistlers schrieb im November 1886 einen Brief an das Komitee der nationalen Kunstausstellung und machte ihm Vorwürfe, daß es auf Wilde hörte, der nach Whistlers Meinung nicht qualifiziert genug dafür war.

Was hat Oscar mit Kunst zu gemein? Außer das er an unseren Tischen speist und von unseren Tellern die Pflaumen für den Pudding pflügt, mit dem er in den Provinzen hausieren geht.

Oscar - der liebenswürdige, unverantwortliche, gierige Oscar - mit genauso wenig Sinn für ein Bild wie für den Sitz eines Mantels, hat den Mut zu Meinung... anderer! Oscar ging einher wie mein Heiliger Johannes, aber er vergaß, dass Demut seine Haupteigenschaft sein sollte, und er war unfähig, dem ungewohnten Respekt zu widerstehen, mit dem seine Äußerungen aufgenommen wurden. Er spielte nicht nur mit meinem Schuh, sondern rannte mit dem Schnürsenkel davon!

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