1837-1909


Englischer Schriftsteller. Bekannt wurde er durch die freiheitlich-unorthodoxe Thematik seiner Gedichte und seine stilistische Virtuosität. Er gehört zu den bedeutendsten Lyrikern der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts.

Swinburne wurde am 5. April 1837 als Sohn eines Aristokraten geboren und besuchte zwischen 1856 und 1860 die Oxford University, wo er sich den Präraffaeliten anschloss. Der Reichtum seiner Familie ermöglichte ihm schon früh eine freie Schriftstellerexistenz. 1860 veröffentlichte Swinburne die beiden im Stil des elisabethanischen Theaters geschriebenen Blankversdramen The Queen Mother und Rosamond. Nachdem er sich in London niedergelassen hatte, lernte er den Dichter und Maler Dante Gabriel Rossetti kennen, mit dem ihn eine lange freundschaftliche Beziehung verband, und machte auch die Bekanntschaft der Schriftsteller William Morris und George Meredith. Swinburnes chorhaft gestaltetes Versdrama Atalanta in Calydon (1865) erwies sich als sehr erfolgreich; darin versuchte der Dichter, Form und Atmosphäre der griechischen Tragödie nachzuempfinden. Das Werk demonstriert sein außergewöhnliches Talent zur melodiösen Wortgestaltung.

Mit dem Band Poems and Ballads (1866, Gesänge und Balladen) löste Swinburne einen der größten literarischen Skandale des Zeitalters Königin Viktorias aus. In dem unter dem Einfluss antiker griechischer Lyriker und französischer Schriftsteller der Moderne entstandenen Werk huldigte er den Freuden der körperlichen Liebe und beging nach Ansicht seiner zeitgenössischen Kritiker Blasphemie. Als besonders anstößig wurden einige der Gedichte empfunden, in denen er sadomasochistische Erotik darstellte. Zu den politischen Dichtungen in der Sammlung Songs Before Sunrise (1871; Lieder vor Sonnenaufgang) wurde Swinburne durch seine Bewunderung für den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini inspiriert; sie propagieren demokratische Ideale und politische Freiheit und billigen die Revolution als Mittel zu deren Erlangung. Eines seiner letzten dichterischen Werke, Poems and Ballads II (1878), enthält die Elegie Ave Atque Vale, in der er in bewegenden Worten den französischen Dichter Charles Baudelaire besingt, dessen Rezeption in England er durch seine eigene Dichtung ebenso vorbereitete wie die von Théophile Gautier und Stéphane Mallarmée.

Infolge seines ausschweifenden Lebenswandels und lang anhaltenden Alkoholmissbrauchs erlitt Swinburne 1879 einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Er zog nach Putney zu seinem Freund, dem Kritiker und Dichter Walter Theodore Watts-Dunton. Dank dessen Pflege erholte er sich und verbrachte die Jahre bis zu seinem Tod im Haus Watts-Duntons. Swinburnes Spätwerk besteht vornehmlich aus literaturkritischen Schriften und lyrischen Dichtungen. Seine Erkenntnisse aus den Studien über das Drama im Zeitalter Königin Elisabeths hielt er in den Essays Study of Shakespeare (1880) und The Age of Shakespeare (1909) fest. Mit der englischen Geschichte befasste er sich in seiner Mary-Stuart-Trilogie, bestehend aus den Verstragödien Chastelard (1865), Bothwell (1874) und Mary Stuart (1881). In seiner Verserzählung Tristam of Lyonesse (1882) griff Swinburne unter dem Eindruck Thomas Malorys und Richard Wagners die Tristansage auf, mit der er sich seit seiner Studienzeit beschäftigte, und schuf damit erneut ein Loblied auf die sinnliche Liebe. Der Dichter starb am 10. April 1909 in Putney (heute ein Stadtteil Londons).

Was geht wohl vor in deinem Geist?

Ach, wer weiß -

manches ist mir nicht bekannt, ...

... trotz der Liebe Freundschaftsband.

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