Bram Stoker - 1847-1912


Eigentlich Abraham Stoker, irischer Schriftsteller. Bekannt wurde er durch seinen Horrorroman Dracula (1897), einem herausragenden Werk der Schauerliteratur.

Bram StokerStoker wurde am 8. November 1847 in Dublin geboren und studierte an der Universität von Dublin. Nach zehn Jahren als Staatsbeamter und (unbezahlter) Literatur- bzw. Theaterkritiker der Dubliner Tageszeitung Mail verließ er 1876 Irland, um Sekretär und Manager des englischen Schauspielers Sir Henry Irving zu werden, mit dem gemeinsam er ab 1878 auch das Lyceum Theatre in London leitete. Bis zu Irvings Tod im Jahr 1905 arbeitete er eng mit dem Schauspieler zusammen. Die Arbeit ließ Stoker genug Zeit zum Schreiben: 1882 debütierte er mit der für Kinder gedachten Kurzgeschichtensammlung Zu Sonnenuntergang, die allerdings nur wenig Erfolg hatte. Sein Romandebüt Der Schlangenpass wurde 1889 in mehreren Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt und erschien ein Jahr später in Buchform. Stoker schrieb daraufhin zahlreiche Bücher, darunter der Roman The Mystery of the Sea (1902) und die Lebenserinnerung Personal Reminiscences of Henry Irving (1906). In seinem nach 1890 als Brief- und Tagebuchroman verfassten Horrorklassiker Dracula (1897) stellte er die Figur des Vampirs Graf Dracula aus Transsylvanien vor und schuf damit den bekanntesten Beitrag zum Genre. Vorbild war die historische Figur des Vlad Tepes, eines für Pfählungen bekannten Fürsten in der rumänischen Walachei des 15. Jahrhunderts mit dem Beinamen Dracula, sowie Joseph Sheridan LeFanus Erzählung Carmilla (1872; Carmilla, der weibliche Vampir); zudem hatte ihm der ungarische Reisende Arminius Vambery die auf dem Balkan verbreiteten Vampirlegenden erzählt. Stokers Roman schildert die Geschichte des jungen englischen Rechtsanwalts Jonathan Harker, der, von Dracula auf dessen Schloss gelockt, seine Braut Mina Murray fast an den Vampirismus verliert, bevor dem Untoten durch den niederländischen Vampirjäger Professor van Helsing der Garaus gemacht werden kann. Noch im Erscheinungsjahr dramatisierte Stoker sein Buch unter dem Titel Dracula or The Undead. Der Autor starb am 20. April 1912 in London.

Stokers Dracula diente als Anregung für zahlreiche Serien, Nacherzählungen bzw. Bearbeitungen (etwa H. C. Artmanns Dracula, Dracula von 1966) und Literaturverfilmungen, allen voran Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu - eine Symphonie des Grauens (1922). Hinsichtlich der ästhetischen und erzählerischen Qualität steht sie weit über den zahlreichen trivialen Adaptationen, wie den - allerdings beim breiten Publikum weitaus beliebteren - Fassungen von Terence Fisher (Horror of Dracula, 1958, mit Christopher Lee). Zu den wenigen Ausnahmen zählen die Versionen Tod Brownings (1930, mit Bela Lugosi in der Titelrolle und Karl Freunds expressionistischer Kamera), John Badhams (1978) und Francis Ford Coppolas (Bram Stoker's Dracula, 1994, mit Anthony Hopkins und Winona Ryder, Kamera Michael Ballhaus). Murnaus Fassung regte Werner Herzog 1978 zu seinem Remake Nosferatu - Phantom der Nacht an. Roman Polanski schuf mit The Fearless Vampire Killers (1967; Tanz der Vampire) eine 1997 von ihm selbst als Bühnenfassung bearbeitete Parodie. Dracula wurde neben Frankenstein (dieser vor allem mit Boris Karloff) zur populärsten Figur des internationalen Horrorfilms.

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