Max Reinhardt - 1873-1943

eigentlich Max Goldmann

Österreichischer Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter. Er war einer der Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Seine theatergeschichtliche Leistung liegt in der endgültigen Durchsetzung des Regietheaters.

Max ReinhardtReinhardt wurde am 9. September 1873 in Baden bei Wien geboren und debütierte 1890 als Bühnenschauspieler in Salzburg. 1894 holte ihn Otto Brahm an das Deutsche Theater in Berlin, dessen Ensemble er bis 1903 angehörte. 1901 gehörte Reinhardt zu den Mitbegründern der Kabarettbühne Schall und Rauch. 1903 übernahm er das Kleine Theater, das spätere Theater am Schiffbauerdamm. Mit Inszenierungen, die von großer Innovationsfreudigkeit gekennzeichnet waren und alle Möglichkeiten der zeitgenössischen Bühnentechnik nutzten, löste er sich immer mehr vom Naturalismus Brahm'scher Prägung und begründete seinen Ruf als Regisseur. Zu den Marksteinen dieses Regietheaters gehörte etwa die Aufführung von William Shakespeares Mittsommernachtstraum (1905), die er in den folgenden Jahrzehnten insgesamt zwölfmal auf die Bühne brachte und die 1935 in den USA mit Wilhelm Dieterle, einem Schauspieler und Regisseur, der 1918 zu Reinhardt gekommen war, verfilmt wurde. 1905 übernahm Reinhardt das Deutsche Theater von Otto Brahm, das er bis 1920 leitete. 1906 kamen die Kammerspiele des Deutschen Theaters hinzu. Bevorzugt brachte der Regisseur hier die Dramen Henrik Ibsens, Maurice Maeterlincks, Luigi Pirandellos und Hugo von Hofmannsthals zur Aufführung. Des weiteren stand die Neuinterpretation von Klassikern (etwa Goethes Faust I, 1909) im Mittelpunkt.

Darüber hinaus eröffnete Reinhardt 1919 das Große Schauspielhaus im umgebauten ehemaligen Berliner Zirkus Schumann (1919), wo er etwa den König Ödipus von Sophokles inszenierte, leitete nach Übergabe seiner Berliner Bühnen an Friedrich Hollaender 1923 das Wiener Theater in der Josefstadt (Eröffnung 1924 mit Goldonis Diener zweier Herren) und organisierte zahlreiche Gastspiele. Dabei war Reinhardt bestrebt, die Bühne allen sozialen Schichten zugänglich zu machen. Trotz äußerster Detailgenauigkeit in seiner Regieführung ließ er seinen Schauspielern genügend Raum, ihre Individualität zur Geltung zu bringen. Seine Inszenierungen fanden häufig in Zirkuszelten, Gärten, Schlössern und Kirchen statt und hatten rein ästhetische Funktion - politisches Engagement lag Reinhardt fern. 1920 initiierte der Regisseur gemeinsam mit Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal die Salzburger Festspiele, deren Höhepunkt die Inszenierung des Mysterienspieles Jedermann auf dem Salzburger Domplatz darstellte (Hofmannsthal hatte den auf einer englischen Moralität basierenden Stoff neu bearbeitet). 1922 kam das Salzburger Große Welttheater in der dortigen Kollegienkirche zur Aufführung. 1929 gründete er das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, eine Schauspielschule, die noch heute einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Zwischen 1929 und 1931/32 war Reinhardt wieder Leiter der Berliner Bühnen. 1933 musste er unter dem wachsenden Druck der Nationalsozialisten aus Deutschland emigrieren und ging zunächst nach Österreich, 1937 dann in die USA; hier wurde er 1940 amerikanischer Staatsbürger. Dort überwachte er u. a. 1935 die erfolgreiche Verfilmung seiner legendären Mittsommernachtstraum-Inszenierung und führte danach in einigen Inszenierungen in Los Angeles und New York Regie. Reinhardt starb am 31. Oktober 1943 in New York.

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