Henri de Toulouse-Lautrec - 1864-1901


Französischer Maler des Spätimpressionismus, Lithograph und Illustrator, dessen Werke vor allem das Nachtleben des späten 19. Jahrhunderts zum Thema haben.

Henri de Toulouse-LautrecToulouse-Lautrec wurde 1864 in Albi als Nachkomme einer der vornehmsten französischen Adelsfamilien, der Grafen von Toulouse, geboren. Als Halbwüchsiger brach er sich beide Beine, die wegen eines angeborenen Calciummangels für den Rest seines Lebens verkrüppelt blieben. Seine bald sichtbare Zeichenbegabung wurde von seinem Onkel und Freunden erkannt und gefördert. Er studierte bei den französischen akademischen Malern Joseph Florentin Léon Bonnat und Fernand Cormon in Paris. Das besondere Wesen des jungen Toulouse-Lautrec zog zahlreiche Künstler und Intellektuelle an, darunter den irischen Schriftsteller Oscar Wilde, den Maler Vincent van Gogh und die Sängerin Yvette Guilbert. Toulouse-Lautrec besuchte die Etablissements auf dem Montmartre in Paris und hielt seine Eindrücke von diesen Orten, darunter besonders das legendäre "Moulin Rouge", und ihren Berühmtheiten in Porträts und Skizzen von einzigartiger Originalität und Ausdruckskraft fest, wie La Goulue betritt das Moulin Rouge (1892, Musée Toulouse-Lautrec, Albi), Jane Avril betritt das Moulin Rouge (1892, Courtauld Gallery, London) und Im Salon der Rue des Moulins (1894, Musée Toulouse-Lautrec, Albi). Sein exzessiver Alkoholkonsum führte zu einem Schlaganfall, dem er 1901 in Malromé, einem der Wohnsitze seiner Familie, erlag.

Der Aristokrat aus der Provinz wurde vom Mythos der Pariser Vergnügungsetablissements magisch angezogen, den er durch sein graphisches Werk letztendlich entscheidend mitprägte. Nachdem der letzte große Lithograph, Honoré Daumier, Anfang des 19. Jahrhunderts noch eine ungeheure Verbreitung gefunden hatte, war die Kunst der Lithographie gegen Ende des 19. Jahrhunderts regelrecht verkümmert. In einem Augenblick, in dem die Photographie Malerei und Graphik abzulösen begann, fand Toulouse-Lautrec darin ein adäquates künstlerisches Medium für seine Themen, wie Sexualität, Erotik und Einsamkeit und seine bevorzugten Schauplätze, wie Bordelle, Destillen und Varietés und verhalf ihr dadurch mit seinem dramatischen, vergänglichen Grundzug (deshalb auch die Nähe zur zeitgenössischen Reklame) zu einer erneuten Blüte. Toulouse-Lautrec schuf eine große Zahl von Gemälden, Zeichnungen, Stichen, Lithographien und Plakaten und Illustrationen für Zeitungen. Viele seiner Werke befinden sich heute im Musée Toulouse-Lautrec in Albi. Er nahm Anregungen von verschiedenen zeitgenössischen Künstlern auf, insbesondere von den Malern Edgar Degas und Paul Gauguin. Auch der japanische Holzschnitt, der damals in Paris Aufsehen erregte, beeinflusste mit seinen scharfen Umrisslinien und großen Farbflächen seine Arbeit in starkem Maße.

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