Richard Burdon Haldane, Viscount Haldane of Cloan (1856-1928)

Britischer Philosoph und Staatsmann, der für Reformen im Universitätswesen und im Heer verantwortlich zeichnete. Haldane wurde am 30. Juli 1856 in Edinburgh geboren und studierte an den Universitäten Edinburgh und Göttingen. Als Mitglied der Liberalen Partei wurde er 1885 in das Unterhaus gewählt. Von 1905 bis 1912 war er Kriegsminister; in dieser Zeit reformierte er das britische Heer nach preußisch-deutschem Vorbild. Ab 1909 war Haldane zudem in verschiedenen Funktionen als Berater der Regierung in Bildungsfragen tätig. Die Eröffnung von Universitäten in der Provinz und die Einrichtung von Abendlehrgängen an den Colleges gehen auf seine Empfehlungen zurück, ebenso die staatliche Subventionierung des Bildungswesens und andere Maßnahmen, die die höhere Bildung einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich machen sollten. 1912 verhandelte Haldane in Berlin mit Kaiser Wilhelm II. und Marineminister Tirpitz, um zu einer Verständigung über die Begrenzung der deutschen Schlachtflotte zu kommen; Deutschland wandte sich gegen jede Beschränkung seiner Flottenpolitik, die Haldane-Mission war gescheitert.

Haldane wurde 1911 zum Viscount erhoben und war von 1912 bis 1915 Lordkanzler. Wegen seiner Bewunderung für die deutschen Philosophen und wegen seiner Bemühungen, einen Krieg mit Deutschland doch noch abzuwenden, blieben ihm aus politischen Gründen während des 1. Weltkrieges hohe Regierungsämter versagt. Im Krieg bewährte sich jedoch seine Heeresreform. 1924 wurde Haldane Lordkanzler in Großbritanniens erster Labour-Regierung. Haldane starb am 19. August 1928 in Cloan in Schottland.

Als Philosoph untersuchte Haldane die Thesen Hegels im Lichte der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zu Haldanes bedeutenden Werken zählen The Reign of Relativity (1921), eine Untersuchung der philosophischen Folgen von Einsteins Relativitätstheorie, und The Philosophy of Humanism (1922). Seine Autobiographie erschien 1929 posthum.

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