Edgar Degas, eigentlich Hilaire-Germain Edgar de Gas, französischer Maler, Zeichner und Bildhauer.

Edgar DegasDegas wurde am 19. Juli 1834 als Spross einer wohlhabenden Bankiersfamilie geboren und war zunächst für eine juristische Laufbahn bestimmt. Er nahm dann jedoch 1855 ein Studium an der École des Beaux-Arts auf (bei Lamothe, einem Schüler von J. A. D. Ingres) und bildete sein bemerkenswertes zeichnerisches Können aus. Nach einem dreijährigen Italienaufenthalt (1856-1859) kehrte Degas nach Paris zurück und schuf Historienbilder und Porträts im streng klassizistischen Stil seines Lehrmeisters (Junge Spartanerinnen fordern Knaben zum Kampf auf, 1860, National Gallery, London). Nach 1865 gab er unter dem Einfluss seines Freundes Édouard Manet die mythologisch-historischen Sujets auf und wandte sich zeitgenössischen Themen zu. Zu einem bevorzugten Motiv wurden Szenen des Großstadtlebens (Der Absinth, um 1876, Musée d'Orsay, Paris), Ballett- und Theaterszenen (Die Tanzstunde, 1871/1874, ebenda; Das Ende der Arabeske, 1877, ebenda). Im Mittelpunkt steht immer wieder das Faszinosum des Weiblichen, vorrangig demonstriert an Mädchen aus dem Volk (Näherinnen, Wäscherinnen usw.) bei der Verrichtung ihrer Arbeit (Wäscherinnen mit Wäsche, 1876-1878, Sammlung Howard J. Sachs, New York; Die Büglerinnen, 1884-1886) und Boudoir-Szenen. Anders als bei den Impressionisten, mit denen Degas aufgrund ihrer Ablehnung der akademischen Traditionen von vornherein sympathisierte, kamen Arbeitswelt und Lebensumstände im Industriezeitalter zur Darstellung, einschließlich neuer urbaner Vergnügungen wie Pferderennen (Rennpferde vor den Tribünen, 1869-1872, Musée d'Orsay) oder Ausflugslokale (Das Konzert-Café "Les Ambassadeurs", 1876/77, Musée des Beaux-Arts, Lyon).

Obwohl Degas das Interesse der Impressionisten an den Besonderheiten des Lichtes und ihrer adäquaten Wiedergabe teilte, zeigte er keinerlei Ambitionen hinsichtlich der Pleinair-Malerei und arbeitete stets im Atelier. Bestimmend für seine oft exzentrische Bildkomposition, die sich durch scheinbar willkürliche Ausschnitte und einen oftmals nach oben verschobenen Horizont auszeichnet, wurde die Konfrontation mit der Photographie und der Kunst des japanischen Farbholzschnittes. Repräsentative Beispiele für dieses Prinzip der Asymmetrie sind die verschiedenen Versionen von Ballettprobe auf der Bühne (1874, Musée d'Orsay, Paris; 1876, Glasgow Art Gallery and Museum) und Frau mit Chrysanthemen (1865, Metropolitan Museum of Art, New York). Im ersten Fall werden die Randfiguren durch den Rahmen förmlich abgeschnitten, im zweiten drängt ein großer, den Mittelpunkt bildender Blumenstrauß die Frauengestalt an die Peripherie des Bildes.

In den seit den achtziger Jahren vermehrt entstehenden Zeichnungen und Pastellen tritt die vormals typische scharfe Konturierung der Figuren zurück und weicht einer freien, großzügigen Linienführung, die u. a. Henri Toulouse-Lautrec maßgeblich beeinflusste. Das Phänomen resultierte nicht zuletzt aus einer sich rapide verschlimmernden Sehschwäche und beherrschte auch das umfangreiche plastische Werk. Degas schuf in den letzten Lebensjahren ungefähr 150 Wachsstatuetten (vornehmlich Frauenakte und Bewegungsstudien von Tänzerinnen), die erst nach seinem Tod am 27. September 1917 in Bronze gegossen wurden. Degas' kunsthistorischer Rang wurde erst postum erkannt. Heute gilt er als bedeutende Parallelfigur zu den Impressionisten, die er hinsichtlich der Motivwahl und der Kompositionsprinzipien an Modernität weit übertraf.

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