Paul Bourget, (1852-1935), französischer Schriftsteller.

Mit seinen psychologischen, ins Innere des Bewusstseins gerichteten Romanen vollzog er eine radikale Abkehr von der herrschenden literarischen Strömung des Naturalismus.

Bourget wurde am 2. September 1852 in Amiens geboren und war nach einem kurzen Medizinstudium als Journalist und Essayist tätig. Seine frühen Werke wie Un crime d'amour (1886; Eine Liebestragödie) und André Cornélis (1887; André Cornélis) waren noch von der Milieutheorie Hippolyte Taines geprägt, nach der jedes soziale Phänomen von den Faktoren Rasse, Milieu und Moment bestimmt wird. Mit dem Roman Le disciple (1889; Der Schüler), in dem ein psychologisches Experiment in einer fast klinischen Analyse seelischer Zustände beschrieben wird, zeigte Bourget die moralische Fragwürdigkeit dieses bis dahin unangefochten gültigen deterministischen Positivismus auf. Le disciple gilt als Vorläufer des von Sigmund Freud beeinflussten psychoanalytischen Romans.

Bourgets spätere Werke sind von moralisch-konservativer Gesellschaftskritik geprägt. Der Autor starb am 25. Dezember 1935 in Paris.

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